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Cyberverteidigung im Tempo der Angreifer

Cyberverteidigung im Tempo der Angreifer

6 Min. Lesezeit – Die potenziellen Angriffsflächen innerhalb von Unternehmen verändern sich fast täglich. Cyberkriminelle sind darauf vorbereitet – Unternehmen in der Regel nicht. Diese Dynamik erfordert neue Massnahmen.

Die Angriffsflächen in Unternehmen verändern sich fast täglich. Cyberkriminelle sind darauf vorbereitet – die meisten Unternehmen nicht. Diese Dynamik erfordert neue Massnahmen.

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Fast jede dritte Schwachstelle wird heute noch am Tag ihrer Veröffentlichung von Cyberkriminellen ausgenutzt, wie Untersuchungen des US-Sicherheitsunternehmens VulnCheck zeigen. Vor zwei Jahren lag die Zeit bis zur Ausnutzung laut einer vergleichbaren Studie noch bei fünf Tagen. Im Jahr 2022 hatten Unternehmen sogar noch 32 Tage Zeit, um zu reagieren.

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Innerhalb von nur drei Jahren haben Angreifer ihr Tempo um den Faktor 30 gesteigert – sie reagieren auf neue Schwachstellen innerhalb eines Tages statt innerhalb eines Monats. Die meisten Unternehmen sind von diesem Tempo weit entfernt. Je nach Branche benötigen Firmen laut einer Studie des Sicherheitsanbieters Edgescan typischerweise zwischen 63 und 104 Tage, um Sicherheitslücken zu schliessen. Selbst bei kritischen Schwachstellen, die von der US-Cybersicherheitsbehörde CISA als hochgefährlich eingestuft werden, dauert es im Durchschnitt 137 Tage bis zur Behebung.

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Warum Sicherheitsteams nicht mithalten können

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Der Hauptgrund, warum die meisten Unternehmen hinter Cyberkriminellen zurückbleiben – insbesondere in puncto Geschwindigkeit –, ist die fast tägliche Erweiterung der Angriffsflächen. Cloud-Migration, SaaS und KI-generierter Code eröffnen kontinuierlich neue Einfallstore. „Vibe Coding“ vergrössert diese noch weiter: grosse Mengen an kontextfreiem Code und zusammengesetzte Snippets ohne Architektur oder Reviews. Das Ergebnis: Die Angriffsfläche wächst in Echtzeit.

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Herkömmliche Sicherheitstests erfassen diese Dynamik nicht. Gleichzeitig explodiert meist die Anzahl der eingesetzten Tools. Verschiedene Scanner, Penetrationstests und Crowdsourcing-Plattformen liefern fragmentierte Ergebnisse, ohne voneinander zu lernen. Die Folge: Teams ertrinken in Alarmmeldungen und verlieren den Blick für die wirklich kritischen Bedrohungen.

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Hinzu kommt, dass den meisten Unternehmen die Ressourcen für eine angemessene Reaktion fehlen – sowohl personell als auch finanziell. Diese werden meist erst nach einem Angriff bereitgestellt, statt präventiv zu agieren.

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Klare Diagnose, erste Lösungsansätze

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Während in der Cybersicherheitsbranche weitgehend Konsens über die Ursachen des Problems herrscht, zeichnen sich verschiedene Lösungswege ab. Es wird deutlich, dass zukünftige Ansätze folgende Fähigkeiten erfordern: kontinuierliche Aktivität, schnelle Anpassung an sich ändernde Angriffsflächen und Bedrohungen sowie ein hohes Mass an Autonomie.

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Die Umsetzung solcher Konzepte ist jedoch komplex. Viele Unternehmen haben bereits Schwierigkeiten, ihre bestehenden Sicherheitstools zu integrieren. Kontinuierliches Monitoring erzeugt zudem noch mehr Daten und Alarme, was die Informationsüberflutung weiter verschärft. Und selbst die beste Technologie ist nur begrenzt wertvoll, wenn qualifizierte Fachkräfte fehlen, um die Ergebnisse zu interpretieren und geeignete Massnahmen einzuleiten. Der Fachkräftemangel im Bereich Cybersicherheit bleibt daher die grundlegende Herausforderung.

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Der Wandel hat begonnen

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Trotz all dieser Hürden findet ein Paradigmenwechsel statt. Immer mehr Unternehmen erkennen, dass statische, punktuelle Sicherheitstests mit der heutigen Bedrohungslage nicht mehr Schritt halten können. Laut einer Studie des US-Sicherheitsanbieters Cycognito planen 65 % der Unternehmen die Implementierung kontinuierlicher, automatisierter oder sogar autonomer Testansätze. Gleichzeitig wächst der globale Markt für Sicherheitstests rasant: Laut dem Marktforschungsunternehmen IMARC wird er voraussichtlich von 13 Milliarden USD im Jahr 2024 auf 58,3 Milliarden USD bis 2033 anwachsen.

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Regulierungen werden diesen Wandel weiter beschleunigen. Mit der NIS2-Richtlinie – der verschärften EU-Cybersicherheitsrichtlinie – und dem Cyber Resilience Act, der die Produktsicherheit in der EU regelt, steigt der Druck zur Compliance. Auch Schweizer Unternehmen werden nachweisen müssen, dass ihre Sicherheitsmassnahmen in ihrer gesamten Umgebung wirksam, auf die aktuelle Bedrohungslage abgestimmt und kontinuierlich aktiv sind.

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Letztlich wird der Erfolg davon abhängen, ob die Branche pragmatische Implementierungswege findet, die auch für Organisationen ohne grosse, dedizierte Cybersecurity-Teams zugänglich sind. Denn die heutigen Bedrohungen betreffen nicht nur Grossunternehmen – sie betreffen jeden.

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Über Florian Badertscher

Beschreibung des Bildes

Florian Badertscher, Mitgründer & COO von SignalFisher, zählt mit über 20 Jahren Berufserfahrung zu den führenden Cybersecurity-Experten der Schweiz. 2015 initiierte er das erste landesweite Bug-Bounty-Programm für die gesamte Swisscom-Gruppe, das er bis 2021 leitete. Das Programm umfasste auch Systeme in stark regulierten Branchen wie Telekommunikation und Finanzen.

Badertscher ist tief in der Security-Community verwurzelt und ein gefragter Referent auf Branchenveranstaltungen. Er ist Mitglied des Expertenbeirats des Bundesrates für digitale Identität. Nach früheren Stationen bei Compass Security und Swisscom bringt er umfassende Expertise in den Bereichen Cyber Defense, Incident Response und Penetration Testing mit. Er besitzt einen Executive MBA in Innovationsmanagement, einen Bachelor in IT-Security und ist zertifizierter OSSTMM Security Tester.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf inside-IT im Rahmen der Medienpartnerschaft zwischen inside-IT und dem Digital Business Transformation Forum veröffentlicht.https://www.inside-it.ch/cyber-verteidigung-im-tempo-der-angreifer-20250924

September 25, 2025

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